Englische Redewendungen verstehen

Diese 5 Redewendungen sind nur die Spitze des idiomatischen Eisbergs

Und da sind wir auch schon beim Thema. Auch die englische Sprache beschreibt mit „tip of the iceberg“, der „Spitze des Eisbergs“, einen kleinen Teil von etwas viel Größerem.)

Redewendungen und Sprichwörter sind sozusagen die Geheimsprache innerhalb einer Sprache. Unser kollektives Verständnis von Phrasen, die wörtlich gesehen oft nur wenig Sinn ergeben, hat etwas an sich, das Muttersprachler und Englischlernende verbindet.

Wenn man erstmal ein paar davon beherrscht, wendet man sie voller Begeisterung in alltäglichen Interaktionen an. Aber wenn Sie sich zum Ziel gesetzt haben, wirklich alle Redewendungen und Sprichwörter zu meistern, dann muss ich Ihnen leider sagen: Das ist schier unmöglich.

Hier sind beispielsweise fünf gängige Redewendungen – sind Ihnen diese schon einmal begegnet?

  • Every cloud has a silver lining
  • Let someone off the hook
  • Spill the beans
  • Go on a wild goose chase
  • Your guess is as good as mine

(Die jeweiligen Bedeutungen werden am Ende dieses Artikels erläutert!)

Doch weil Englisch eine weit verbreitete und sich immer weiterentwickelnde Sprache ist, können Sie selbst bei sehr gängigen Floskeln verwunderte Blicke ernten, wenn Sie sie im täglichen Leben anwenden.

Aber warum kann niemals alle Redewendungen perfekt beherrschen?

Hier sind die Herausforderungen, die Ihnen auf dem steinigen Weg zur Perfektion begegnen werden.

Redewendungen in Großbritannien, Australien und den USA

Englisch ist die Muttersprache von etwa 360 Millionen Menschen, die überall auf dem Planeten verteilt sind.

Während England einen großen Einfluss auf Länder wie Australien und die USA ausgeübt hat, haben auch die einheimische Bevölkerung und die Nachbarländer die jeweilige Kultur und Sprache geprägt.

In Australien leben beispielsweise die meisten Leute in der Nähe von Gewässern, in denen Meeräschen („mullet fish“) zu finden sind. So entstand die Redewendung „like a stunned mullet“, die eine Person beschreibt, die verwirrt oder konfus ist.

Im Süden der USA bestätigt man mit „I smell what you’re steppin’ in“, wenn man versteht, was das Gegenüber sagen möchte. Diese Redewendung geht auf die riesigen Rinderfarmen und die vielen Kuhfladen zurück, in die man dort möglicherweise treten konnte.

Einige amerikanische Redewendungen, wie z. B. „you can hand your hat on that“ (mit der Bedeutung „darauf kannst du dich verlassen“), werden von den meisten Personen verstanden, die Englisch sprechen. Aber wenn Sie sie in Großbritannien oder einem anderen englischsprachigen Land im Freundes- oder Kollegenkreis nutzen, stoßen Sie möglicherweise trotzdem auf Unverständnis. Das gilt ebenso für den Ausdruck „look like death warmed over“, die in Nordamerika verwendet wird, aber in England zu „look like death warmed up“ geändert wird (Deutsch: „aussehen wie der Tod auf Latschen“).

Grundsätzlich gilt: Nur weil es sich um eine englische Redewendung handelt, heißt das nicht, dass alle Englisch sprechenden Personen sie verwenden.

Kollegen in einem Büro

Redewendungen am Arbeitsplatz

Wir wissen ja bereits, dass „I smell what you’re steppin’ in“ auf das Leben auf einer amerikanischen Rinderfarm zurückgeht. Viele Redewendungen sind in einem beruflichen Zusammenhang entstanden. Während sie sich in der englischsprachigen Welt verbreitet haben, sind viele außerhalb des ursprünglichen, professionellen Kontexts weiterhin unangebracht.

„Ahead of the curve“ bedeutet, dass etwas innovativ oder seiner Zeit voraus ist. Der Ausdruck wird in der Regel im Bereich Technologie und Engineering verwendet.

„On the back burner“ stammt aus der Küche, in der Köche üblicherweise auf den hinteren Positionen ihres Herds auf einer niedrigeren Flamme kochten. Es ist eine höfliche Art zum Ausdruck zu bringen, dass gewissen Dingen eine geringere Priorität zugewiesen wird als den unmittelbaren Aufgaben.

Beide Redewendungen lassen sich im Alltag anwenden, können außerhalb des Arbeitsumfelds aber sehr formell oder ausweichend wirken.

Wörtliches Verständnis

Bei vielen Redewendungen ist der Ursprung klar oder ihre Bedeutung lässt sich zumindest aus dem Kontext erschließen – wie zum Beispiel bei „bless your heart“, womit Zuneigung zum Ausdruck gebracht wird.

Aber für die 1,3 Milliarden Menschen, die Englisch als Fremdsprache sprechen, oder auch für neurodivergente Personen, können bestimmte Redewendungen schwer zu entschlüsseln sein.

„Break a leg“ klingt rabiat und unfreundlich. Aber es wird verwendet, um jemandem viel Glück zu wünschen.

Ebenso klingt „as right as rain“ heutzutage eher negativ, bedeutet aber, dass etwas perfekt ist – denn Regen galt früher als Segen für die Bauern.

Was sollte ein Marketing-Team also tun, wenn Redewendungen ins Englische zu übersetzen sind?

Der Schlüssel zum Erfolg lautet: Lokalisierung. Dabei geht es darum, Inhalte nicht nur sprachlich, sondern auch in Bezug auf die entsprechende Region zu adaptieren. Als global agierende deutsche Marke sollten Sie beispielsweise Ihre englischsprachigen Anzeigen für Ihre Zielgruppen in den USA, Australien und Großbritannien individuell übersetzen.

Um Lokalisierung wirklich zu begreifen, müssen Sie wissen, dass es bei der Übersetzung von Inhalten nicht nur darum geht, verstanden zu werden. Ihr Ziel sollte sein, dass Ihr Publikum sich wahrgenommen fühlt und von Ihren Inhalten angesprochen wird. Redewendungen eignen sich gut, um dieses Gefühl der Verbundenheit herzustellen und Beziehungen aufzubauen. Erfahrene Lokalisierungs-Profis berücksichtigen dabei den größeren Zusammenhang und ersetzen Ihre Redewendungen mit lokal angemessenen Entsprechungen.

Wir haben ein ganzes Team von Übersetzerinnen und Übersetzern sowie Lokalisierungs-Profis. Kontaktieren Sie uns also jetzt, wenn Sie Fragen zur Lokalisierung Ihrer bevorstehenden Marketingkampagnen haben. Wir beraten Sie gerne!

Wörter in einem Buch

Fünf englische Redewendungen für Ihr Repertoire

Herzlichen Glückwunsch – Sie kennen sich in der wundervollen Welt der idiomatischen Wendungen jetzt schon deutlich besser aus!

Hier erfahren Sie die Bedeutungen der fünf oben genannten Redewendungen.

Every cloud has a silver lining ⛅️

Diese Redewendung wird in der Regel als eigenständiger Satz genutzt. Sie bezieht sich auf den silbernen Schein einer Wolke, wenn die Sonne dahinter steht – und beschreibt, dass sich auch aus einer schlechten Situation etwas Gutes ergeben kann.

Beispiel: „Well, every cloud has a silver lining!“ Oder auch verkürzt: „Every cloud!“. Die deutsche Entsprechung bleibt bei einem ähnlichen Bild: „Auf Regen folgt Sonnenschein!“.

Let someone off the hook 🎣

Dieser Ausdruck bedeutet, dass man eine Person für das, was sie getan hat, nicht zur Verantwortung zieht. Es kann auch scherzhaft verwendet werden, wenn sich herausstellt, dass jemand zu Unrecht ein Vorwurf gemacht wurde.

Beispiel: „I let Tom off the hook after apologising to his sister.“ Die deutsche Entsprechung ist „jemanden ungeschoren davon kommen lassen“.

Spill the beans 🤭

Diese Redewendung ähnelt einem Ausdruck, den wir in unserem Blog-Beitrag Zehn großartige englische Redewendungen vorgestellt haben – hat aber eine völlig andere Bedeutung. „To spill the beans“ bedeutet, versehentlich oder anderweitig ein Geheimnis auszuplaudern.

Beispiel: „Steve spilt the beans on your new job!“ Eine ähnlich bildliche Entsprechung auf Deutsch gibt es hier nicht.

Go on a wild goose chase 🦢

Bei dieser Redewendung geht es nicht um echte Gänse. Sie bedeutet, dass man etwas verfolgt hat, das nicht existiert oder unnötig war.

Beispiel: „He sent me on a wild goose chase!“ In einer deutschen Übersetzung oder Lokalisierung muss die Bedeutung umschrieben werden.

Your guess is as good as mine 🤷

Diese Redewendung bedeutet, dass die Person die Antwort auf eine Frage oder Situation nicht kennt. In der Regel weiß das Gegenüber die richtige Antwort vermutlich auch nicht. Auch diese Redewendung wird oft als eigenständiger, vollständiger Satz verwendet.

Beispiel: „Your guess is as good as mine!“ Der Satz geht oft mit einem Schulterzucken einher. Eine weitaus weniger idiomatische Entsprechung auf Deutsch wäre beispielsweise: „Ich habe genauso wenig Ahnung wie du“.

Lucy LEaF blog 2020

Über die Autorin

Lucy

Lucy Pembayun, Gründerin des Übersetzungsbüros LEaF Translations und qualifiziertes Mitglied des Institute of Translation & Interpreting (MITI), ist Deutsch-Englisch-Übersetzerin mit über 14 Jahren Berufserfahrung. Am liebsten arbeitet sie für nachhaltig orientierte Unternehmen, die großen Wert auf hervorragende Übersetzungen legen. Spezialisiert ist Lucy auf die Übersetzung vom Deutschen ins Englische, und zwar von Websites, Blogposts, Broschüren und anderem Marketingmaterial.

Lucy studierte Germanistik an der Universität Edinburgh (MA mit Prädikat) und erhielt ein DAAD-Stipendium für ihr Master-Studium in Deutschland, das sie ebenfalls mit Auszeichnung abschloss. Während ihres Studiums in Deutschland wohnte sie in Bamberg, Fulda und Berlin. Heute lebt sie mit ihrem Ehemann, zwei Kindern und einem Labrador in York, Großbritannien.